18.10.2023

Krieg in Israel: Polizei erhöht Sicherheitsmaßnahmen für Jüdische Gemeinde in Kassel

Kassel

Angesichts der Lage in Israel haben die Behörden den Schutz jüdischer Einrichtungen erhöht. Ilana Katz von der Jüdischen Gemeinde ist dankbar über Zeichen der Solidarität vieler Kasseler.

Ilana Katz von der Jüdischen Gemeinde hätte nicht gedacht, dass einmal Polizisten vor ihrer Synagoge stehen müssen, damit ein Gottesdienst stattfinden kann. „Das war eigentlich ein absolutes No-Go, doch jetzt war es notwendig“, sagt die 61-Jährige. Am Freitag sicherte die Polizei die Synagoge in der Bremer Straße. Anlass war der Angriff der Hamas auf Israel und der Aufruf der Terrororganisation zu einem „Tag der Mobilisierung aller globalen Muslime in Solidarität mit dem palästinensischen Volk und dem Widerstand“.

Doch nicht nur die Polizei war vor Ort. Geschätzt 100 Menschen beteiligten sich an einem Wächterdienst, einer Mahnwache, zu der Stadtdekanin Barbara Heinrich aufgerufen hatte. Auch die Omas gegen Rechts zeigten ihre Solidarität. Für Katz und ihre Gemeinde war das ein wichtiges Zeichen: „Wir sind sehr dankbar. Das war eine großartige Leistung unserer Stadt.“

Der Angriff der Hamas, dem in Israel mehr als 1400 Menschen zum Opfer fielen, hat in Deutschland eine Diskussion über offenen Antisemitismus entfacht. Als Katz 1999 mit ihrer Familie aus Riga nach Deutschland kam, war sie positiv überrascht. „In Lettland waren antisemitische Vorfälle alltäglich“, sagte sie 2021 im HNA-Interview: In Deutschland habe sie sich gefreut, weil sie hier „zunächst keinen Antisemitismus“ spürte. Das habe sich 2014 geändert, als die Situation im Gazastreifen eskalierte. Propalästinensische Demonstranten beschimpften hierzulande „jüdische Schweine“. In den vergangenen Jahren nahm die Gewalt gegen jüdische Einrichtungen zu. Beim Anschlag von Halle kamen zwei Menschen ums Leben. Im vorigen Sommer machte die documenta mit antisemitischer Kunst Schlagzeilen.

Nun sorgt der Krieg im Nahen Osten dafür, dass die Schutzmaßnahmen der Polizei vor Synagogen verstärkt werden. Schon bislang seien sie auf einem „dauerhaft hohen Niveau“ gewesen, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage mitteilt. Häufig sieht man beispielsweise einen Streifenwagen vor dem Sara-Nussbaum-Zentrum in der Ludwig-Mond-Straße.

Angesichts der Kämpfe im Nahen Osten habe die Polizei bereits am Samstag vor einer Woche „den Austausch mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen gesucht“ und die Schutzmaßnahmen individuell angepasst. Näheres könne man aus einsatztaktischen Gründen nicht sagen. Zudem gibt es im Wiesbadener Innenministerium eine Task Force, in der im Kontext von Versammlungen „etwa Sympathiebekundungen oder Aufrufe zu Straftaten ausgewertet“ werden.

Ilana Katz findet, dass der Staat „angemessen reagiert, um jüdisches Leben zu schützen“. Auch den Umgang mit propalästinensischen Demos findet sie richtig. Nicht nur in Berlin-Neukölln wurde der Terror der Hamas bejubelt. Daraufhin wurde auch am Freitag in Kassel eine Demo verboten. „Wir wissen nicht, wer da mitläuft. Auch in Deutschland gibt es genügend Unterstützer der Hamas“, findet Katz, die immer wieder antisemitische Nachrichten bekommt, sogar auf einer Feindesliste von Rechtsextremisten stand und trotzig sagt: „Ich persönlich habe keine Angst.“

Demnächst werden wohl noch mehr propalästinensische Demonstranten auf die Straße gehen wollen angesichts der Lage im Gazastreifen, wo bis gestern 2750 Tote gemeldet wurden. Auch in vielen Schulklassen wird darüber diskutiert.

Das Sara-Nussbaum-Zentrum hat in der Vergangenheit Workshops veranstaltet, auch solche, die sich an Muslime richteten. Derzeit wird überlegt, sie abzusagen. „Gerade ist wahrscheinlich nicht der passende Zeitpunkt dafür“, findet Katz, die sich weiter um ihre Verwandten in Israel sorgt. Jeder dort kenne eine Familie, die in den vergangenen Tagen jemand verloren habe.

Besorgniserregend sind auch die Meldungen aus Berlin, wo Unbekannte Wohnungen von Juden mit einem Davidstern beschmiert haben. Aus Kassel sind solche Fälle laut Polizei nicht bekannt. Mut macht Katz dagegen etwas anderes. Auf Facebook postete sie gerade ein Foto von Zetteln mit Davidsternen an Kasseler Hauseingängen sowie der darunter geschriebenen Botschaft, man stehe an der Seite von Israel.

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