Pressemitteilung

Pressemitteilung des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen und der Türkischen Gemeinde Hessen zu den antisemitischen Ausbrüchen in den sozialen Medien und Übergriffe anlässlich der zahlreichen Demonstrationen mit dem aktuellen Gaza-Konflikt im Nahen Osten.

  

  

Pressemitteilung

Vertreter der Türkischen Gemeinde Hessen haben dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen in Anbetracht der antisemitischen Ausbrüche in den sozialen Medien und Übergriffe anlässlich der zahlreichen Demonstrationen im Zusammenhang mit dem aktuellen Gaza-Konflikt im Nahen Osten einen Solidaritätsbesuch abgestattet.

Die Vertreter der Türkischen Gemeinde Hessen verurteilten dabei die antisemitischen Parolen, Beleidigungen und Übergriffe auf jüdische Menschen in Deutschland scharf.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Hessens, Erhan Songün, sagte: „Hass und Gewalt gegen hier lebende Juden - aus welchem Grund auch immer - werden von uns kategorisch abgelehnt. Sie gefährden die traditionelle Freundschaft zwischen der Türkischen und der Jüdischen Gemeinde und den Rechtsfrieden in unserem Land.“

 Der stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Hessen, Atila Karabörklü, ergänzte: „Wir appellieren vor allem an muslimische Familien und muslimische Verbände, wachsam zu sein und mit aller Kraft daran mitzuarbeiten, dass die Religion durch politische Ideologien nicht missbraucht und antisemitisches Gedankengut eingedämmt wird.“

Karabörklü erklärte, dass man angesichts des Ausmaßes und der Heftigkeit der antisemitischen Ausbrüche bei Demonstrationen, die im Zusammenhang mit dem Gaza-Konflikt offenbar geworden wären, sehr beunruhigt sei. Er versicherte der Jüdischen Gemeinschaft daher die Unterstützung der Türkischen Gemeinde Hessens und führte aus, dass judenfeindliches, rassistisches und islamfeindliches Gedankengut in einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat nichts zu suchen hätte und durch die Verbände wie auch durch Politik und Gesellschaft konsequent bekämpft werden müssten. Deshalb müsse zukünftig mehr für bildungspolitische Arbeit insbesondere für Jugendliche investiert werden.

Der Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann drückte den Vertretern der Türkischen Gemeinde Hessen seinen aufrichtigen Dank für den Solidaritätsbesuch und die offenen Worte aus. Er erklärte: „Angesichts des bespiellosen Judenhasses, der sich in den vergangenen Wochen auf deutschen Straßen Bahn gebrochen hat, und der überwiegend von muslimischen Jugendlichen ausging, sind wir für die Unterstützung und die Solidarität der Türkischen Gemeinde Hessens sehr dankbar. Es ist für uns ein wichtiges und positives Signal, dass die Türkische Gemeinde sich den in Deutschland lebenden Juden verbunden fühlt und versichert hat, aktiv gegen antisemitische Denkmuster, antijüdischen Hass und den Missbrauch religiöser Ideologien zum Wohle eines sicheren und friedlichen Zusammenlebens vorgehen zu wollen.“

Dies unterstrich der Vorsitzende des Landesausschusses des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Dr. Jürgen Richter, und betonte, dass die Eskalation des Nahostkonflikts unter keinen Umständen durch Bedrohungen und die Angriffe auf Juden und deren Synagogen auf deutschem Boden seinen Ausdruck finden dürfe.

Richter sagte: „Der Nahostkonflikt - obgleich weit entfernt - mag zwar politisch unterschiedlich bewertet werden und ruft sicher auch starke Emotionen hervor, er kann aber in keinem einzigen Fall als akzeptable Erklärung oder Rechtfertigung für die Verbreitung von Hass und Gewalt gegen Juden auf deutschem und europäischem Boden dienen.

„Deutsche Juden seien eben so wenig Partei des Konflikts, wie deutsche Muslime, ganz gleich, ob sie nun aus der Türkei oder anderen arabischen Staaten stammen würden“, so Richter.

Die Vertreter des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen und die Vertreter der Türkischen Gemeinde Hessen erklärten, dass Antisemitismus, Rassismus, Islamfeindlichkeit und Fremdenhass den sozialen Frieden und das gesellschaftliche Fundament auf dem man gemeinsam stehe, erheblich gefährden würden. Man dürfe deshalb nicht zulassen, dass Vorurteile, Hass und Gewalt das mühsam erarbeitete friedliche Zusammenleben in diesem Land gefährden. 

Frankfurt am Main, den 01.08.2014

  

Die Pressemitteilung ist im PDF Format ebenfalls unterdiesem Link verfügbar (PDF, 315KB)

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