Jüdische Gemeinde Hanau: "unterschwelliges Vorsichtigsein"

Die Anrede „du Jude“, ganz gleich, ob unbedacht dahergesagt oder als Beschimpfung gemeint, ist offenbar an Schulen keine Seltenheit. Das machten Karl-Rehbein-Schüler bei einem Besuch der Hanauer Synagoge bei Rabbiner Michael Jedwabni und Oliver Dainow vom Landesverband der Jüdischen Gemeinde deutlich.

Die neunte Klasse war dort eingeladen, um mehr über das Judentum zu erfahren.

Für Lehrerin Sophia Schüller, die nicht zum ersten Mal mit einer Klasse in der Synagoge zu Gast war, sind solche Besuche wichtig für die kulturelle Bildung. Jugendliche, die mit Gemeindemitgliedern gesprochen hätten und nach einem solchen Besuch mehr über den jüdischen Glauben wüssten, dächten ganz anders als zuvor und gingen bewusster mit Sprache um.

Das wird auch den Schülern nicht anders gehen, die diesmal das Gotteshaus mit dem Davidstern an der Wilhelmstraße besuchten. Sie, die eingangs erklärten, dass sie niemanden jüdischen Glaubens in ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis hätten, verließen die Synagoge mit der Erkenntnis, dass Menschen, die eine Kippa tragen, auch nicht anders sind als du und ich. Ihnen gefiel, dass sie Gelegenheit hatten, persönlich Fragen zu stellen.

Beschimpfungen sind keine Seltenheit

Etwas hilflos berichtete einer der Schüler, dass ein Freund häufig Judenwitze erzähle und dumme Sprüche vom Stapel lasse. Seine Einwände verhallten bislang ungehört. Oliver Dainow, der sich in Diensten des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen um die Gemeinde in Hanau kümmert, hatte für ihn und andere Schüler kein Patentrezept parat. Er riet aber, den Freund konkret anzusprechen, inhaltlich nachzuhaken und ihn über die Geschichte aufzuklären. Wenn das alles nicht fruchte, könne man auch Lehrer um Rat fragen.

Betroffen machte Schüler und Lehrerin die Schilderung einer Begebenheit, bei der eine Bekannte Dainows von einer neuen Arbeitskollegin mit dem Vorwurf: „Sei doch nicht so jüdisch“ im Sinne von sei doch nicht so geizig angesprochen wurde. Auch der Versuch einer Aussprache habe kein Einsehen bewirkt. „Eines muss klar sein“, erklärte Dainow, „man kann nicht jeden abholen.“

Heute ist der