18.10.2019

Angst nach Halle-Anschlag? Jüdische Gemeinde Fulda hält engen Kontakt zur Polizei

Fulda

Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle will die hessische Landesregierung prüfen, ob die bisher getroffenen Sicherheitsvorkehrungen vor jüdischen Einrichtungen noch verschärft werden sollten.

Juden in Hessen sollen ohne Angst leben könnten, hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nach einem Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinden Hessens betont. Der Kampf gegen Antisemitismus sei eine Daueraufgabe. Die rund 400 jüdischen und israelischen Einrichtungen in Hessen stünden grundsätzlich immer unter dem Schutz des Staates. Das vorhandene Sicherheitskonzept sei aber noch am Tag des Anschlags in Halle verstärkt worden und zusätzliche Beamte eingesetzt worden.

Die notwendigen finanziellen Mittel für erweiterte Sicherheitsvorkehrungen seien schon bereitgestellt worden, hatte Volker Bouffier zugesagt, auf antisemitische Äußerungen und Vorfälle reagieren, sagte er. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir (Grüne) rief auch die Öffentlichkeit dazu auf, nicht gleichgültig gegenüber antisemitischen Äußerungen zu reagieren, sondern sich deutlich zu positionieren. Es komme darauf an, dass potenzielle Täter wüssten, dass sie nicht in der Mehrheit seien.

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Fulda, Roman Melamed war durch den Anschlag in Halle natürlich auch zutiefst schockiert, empfindet in Fulda aber keine andauernde Verunsicherung. "Wir arbeiten ganz eng mit dem Polizeipräsidium Osthessen zusammen und können uns jederzeit dorthin wenden", erklärt er. Schon seit über zehn Jahren werde das jüdische Gemeindezentrum auf Empfehlung des Bundeskriminalamtes rund um die Uhr per Videoanlage überwacht. Bei Gottesdiensten, Veranstaltungen und Feierlichkeiten im jüdischen Gemeindezentrum sei die Polizei verstärkt präsent, das sei selbstverständlich. Derzeit umfasst die Gemeinde rund 350 Mitglieder. Roman Melamed trägt seine Kippa nur bei offiziellen Anlässen in der Öffentlichkeit, nicht aber, wenn er privat unterwegs ist. "Ich bin nicht ängstlich", sagt er dazu, aber er möge nicht, deshalb besonders angeschaut zu werden.

Am Sonntag nach dem Anschlag in Halle war der "Runde Tisch der Religionen" zu Gast, um sich mit der jüdischen Gemeinde zu solidarisieren und gegen Antisemitismus zu positionieren. Pfarrer Marvin Lange für die christlichen Kirchen, Volker Quasir für die Ahmadiyya-Gemeinde und Roman Melamed sprachen Gebete für die Opfer der Anschläge. Ein Besuch in der Laubhütte, die anlässlich des jüdischen Laubhüttenfestes aufgebaut worden war, und eine Führung durch die Synagoge beschlossen die Veranstaltung.

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