Die Kleidung zerreißen, das Kaddisch sprechen

Das jüdische Bestattungswesen war Thema eines Vortrags in der Synagoge der Gemeinde Bad Nauheim vor Mitarbeitern der Kreisverwaltung. Anlass waren die Interkulturelle Woche und ein aktueller Vorfall.

Ein mittelloses Gemeindemitglied war gestorben. Wie es zunächst aussah, gab es keine Verwandten, die die Bestattung zahlen oder sich wegen der Beerdigungskosten ans Sozialamt wenden konnten. Das städtische Ordnungsamt begleicht in solchen Fällen die Rechnung: stets für die preiswerteste Variante, die Einäscherung. Im Judentum wird jedoch körperbestattet. Das führte zu Hin und Her zwischen Behörde und Gemeinde. Schließlich stellte die Kreisverwaltung klar: Glaubensgrundsätze werden eingehalten. Durch den Info-Termin sollen künftige Irritationen ausgeschlossen werden.

"Tod ist kein angenehmes Thema", sagte Benni Pollak, Religionslehrer für den Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Das Judentum sage jedoch, Sterben sei keine Katastrophe. Abschied sei schwierig, gleichwohl müsse der Tod mit Respekt akzeptiert werden. "Sterbehilfe und Suizid sind im Judentum tabu", so Pollak. Der Rabbiner versuche, bei Selbstmorden eine psychische Erklärung zu finden, sofern sie aus tragischen Beweggründen geschehen. Das gelte aber nicht bei Lebensmüdigkeit oder -unlust.

Einen ausführlichen Artikel über den Vortrag in der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim finden Sie auf den Seiten der Wetterauer Zeitung sowie des Wetteraukreises.

  

(Bildquelle: Wetterauer-Zeitung.de)

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10. Av 5778 - 22. Juli 2018