31.01.2024

„Man fühlt sich alleingelassen": Daniel Neumann und Philip Krämer sprechen über Antisemitismus und Erinnerungskultur

Darmstadt

Der brutale Überfall der Hamas-Terrororganisation auf Israel am 7. Oktober hat die Welt aufgerüttelt. In Deutschland allerdings sind bislang nur recht wenige Menschen auf die Straße gegangen, um gegen den "Angriff auf die Menschenrechte und das Wertesystem" zu demonstrieren und ihre Solidarität mit Israel zu bekunden.

Stattdessen erreichte das Land eine Welle von Antisemitismus. „Die Zivilgesellschaft hat im Gegensatz zu Politik und Medien weitgehend kühl und zurückhaltend reagiert. Man fühlt sich alleingelassen", äußerte sich Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, in der Alten Synagoge in Auerbach verwundert und enttäuscht. Sonntagsreden allein seien nichts wert, wenn Mitgefühl und Empathie nicht vorhanden sind. Es fehle das Verständnis, welche Gefühle es in Juden, die immer im Schatten der Schoah groß geworden sind, auslöst, ihren "sicher geglaubten Zufluchtsort Israel, ein Land, das uns im Ernstfall nicht die Türe vor der Nase verschließt", zu verlieren.

Er selbst betrachte Israel als seine „spirituelle Heimat", gleichwohl es nicht der Ort sei, "wo ich meinen Lebensabend verbringen wollte". Bei aller berechtigten Kritik an der israelischen Regierung und ihren Entscheidungen stehe man fest an der Seite Israels. Es gehe um das überleben des einzigen jüdischen Staates.

Heute ist der

13. Nisan 5784 - 21. April 2024