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07.01.2026

Herausragende Leistung für die jüdische Gemeinschaft: Bundesverdienstkreuz für Samuel Pollak

Bad Nauheim

Es war ein besonderer Termin in der Bad Nauheimer Synagoge: Der Bad Nauheimer Lehrer Samuel Pollak wurde mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt. Die Verleihung im Auftrag des Bundespräsidenten übernahm Landrat Jan Weckler im Beisein von Bürgermeister Klaus Kress und dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Manfred de Vries.


„Samuel Pollak hat in nunmehr 40 Jahren Herausragendes für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland geleistet. Gerade die jüdische Jugendarbeit war ihm dabei immer ein wichtiges Anliegen. Er hat die Entwicklung einer neuen jüdischen Identität in Deutschland maßgeblich mitgeprägt. Vor dem Hintergrund unserer Geschichte und gerade in Zeiten, in denen wir leider wieder vermehrt antisemitische Bewegungen wahrnehmen müssen, ist Ihr Engagement nicht hoch genug zu bewerten“, betonte Landrat Jan Weckler bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. 

Der 1956 in Tel Aviv geborene Benjamin Samuel Pollak siedelte im Rahmen eines Freiwilligenaufenthalts über eine israelische Jugendbewegung in den 1980er Jahren von Israel nach Wien über. Im Jahr 1986 ging er nach München und war dort für den Aufbau und die Leitung des Jugendzentrums der israelitischen Kulturgemeinde München und Oberbayern verantwortlich. Nach Erwerb der Lehrerbefähigung ging es für Pollak schließlich weiter nach Hessen. Zunächst leitete er das Jugendzentrum der jüdischen Gemeinde Offenbach, bevor er als sogenannter Wanderlehrer für jüdische Religionslehre in den elf jüdischen Gemeinden Hessens unterwegs war. In dieser Funktion ermöglichte er vielen Kindern und Jugendlichen eine religiöse Ausbildung und stellte für diese so eine Verbindung zu ihrer jüdischen Herkunft her. 

Auch bei der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) war er über viele Jahre ehrenamtlicher Jugendleiter und Betreuer. Gerade die Integrationsarbeit lag Samuel Pollak stets besonders am Herzen. So half er erfolgreich jungen Menschen, die mit ihren Familien aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen, hier eine neue Heimat zu finden. 

Jugendliche in der ganzen Bundesrepublik wurden von Samuel Pollak auf ihre Bar- oder Bat-Mizwa vorbereitet. Im Jahr 2018 ermöglichte er etwas noch nicht Dagewesenes: 30 Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung konnten diese Zeremonien nachholen. 

„Mit seiner Tätigkeit prägte Samuel Pollak viele Generationen jüdischer Menschen – auch hier in Bad Nauheim. Durch ihn können viele Gemeinden heute auf erfolgreiche Jugendprogramme und damit auf eine jüdische Zukunft blicken“, betonte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim, Manfred de Vries. 

Landrat Jan Weckler sagte abschließend: „Samuel Pollak hat sich über Jahrzehnte hinweg und mit großem persönlichem Engagement für die jüdische Jugendarbeit in Deutschland eingesetzt. Mit seinem Wirken hat er tausende Kinder und Jugendliche in den jüdischen Gemeinden geprägt und dazu inspiriert, sich selbst in der jüdischen Gemeinschaft zu engagieren. Ich freue mich sehr, dass wir dieses unermüdliche und besondere Engagement heute in einem würdigen Rahmen auszeichnen können.“