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25.01.2026

Vorwurf der Unregelmäßigkeiten: De Donges-Amiss-Amiss nicht zugelassen

Die Jüdische Gemeinde Gießen hat einen neuen Vorstand gewählt. Ein langjähriges Mitglied durfte nicht mehr kandidieren.


Am vergangenen Sonntag hat die Jüdische Gemeinde Gießen in einer Mitgliederversammlung ihren neuen Vorstand gewählt. Von sieben Kandidaten wurden in geheimer Wahl fünf in den neuen Vorstand gewählt. Vorsitzender bleibt Dow Aviv. Der 72-Jährige ist seit der ersten Stunde Mitglied der jüdischen Gemeinde Gießen, die 1978 gegründet wurde. Er ist seitdem in verschiedenen Funktionen ununterbrochen in der Gemeindearbeit aktiv, seit vielen Jahren auch als Vorsitzender. Stellvertreter Vorsitzender bleibt Alexey Shainski.

„Unregelmäßigkeiten“

Nicht mehr im Vorstand vertreten ist jedoch ein Gemeindemitglied, dass sich in den vergangenen Jahren sehr für die jüdische Gemeinde engagiert hat: Lawrence de Donges-Amiss-Amiss. Dov Aviv teilte auf Nachfrage mit, dass die Kandidatur von de Donges-Amiss-Amiss vom Wahlausschuss nach Rücksprache mit einem Rechtsbeistand nicht zugelassen worden sei. Im Vorfeld sei es zu Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung der Gemeinde gekommen, die Amiss-Amiss nicht fristgerecht ausgeräumt habe. Weiter wollte Aviv diesen Sachverhalt nicht kommentieren.

Lawrence de Donges-Amiss-Amiss betonte dagegen auf Nachfrage, er habe freiwillig auf eine erneute Kandidatur im Vorstand der jüdischen Gemeinde verzichtet, weil er sich mehr im europäischen Bereich für den Kampf gegen den Antisemitismus einsetzen möchte. De Donges-Amiss-Amiss ist Mitglied der European Jewish Association, einem Dachverband der orthodoxen jüdischen Gemeinden in Europa.

Er räumte ein, dass es zu Unstimmigkeiten über Fahrtkostenabrechnungen gekommen sei, er sich aber keinesfalls auf Kosten der Gemeinde bereichert habe. „Manchmal ist das schnellste Verkehrsmittel eben nicht das billigste, da gab es mitunter unterschiedliche Auffassungen“, so de Donges-Amiss-Amiss.

Auch von der Kommunalwahllist der CDU war de Donges-Amiss-Amiss vor einer Woche zurückgenommen worden. CDU-Geschäftsführer Markus Schmidt sagte auf Anfrage, dies sei auf dessen eigenen Wunsch erfolgt, was auch de Donges-Amiss-Amiss bestätigte. Aufgrund seiner Tätigkeit als Ratsmitglied der European Jewish Association fehle ihm die Zeit, sich auch noch in der Kommunalpolitik zu engagieren. Deshalb habe er seine Kandidatur zurückgezogen.

Der alte und neue Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Dov Aviv betonte in einer Pressemitteilung, Schwerpunkt seiner Arbeit bleibe intern die Integration der Mitglieder, die überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten stammten, in die deutsche Gesellschaft. Auch die Förderung der deutschen Sprachkenntnisse und die Vertiefung der religiösen Zusammenhänge wolle er voranbringen.

Gemeinde öffnen

Nach außen will er die Gemeinde weiter öffnen zur besseren Integration und für Verständnis und Toleranz gegenüber anderen Religionsgemeinschaften werben. Die von Aviv mitgegründete jüdisch-islamische Gesellschaft in schwierigen Zeiten gehört zu den wichtigsten Aktivitäten seiner bisherigen Amtszeit neben der Koordinierung der Beschaffung und Finanzierung einer eigenen Tora-Schriftrolle für die Gießener Gemeinde. 

Neben Aviv und Shainski gehören die frühere Vorsitzende Marina Frankfurt, Janneta Miirova und Liobov Stremovska dem neuen Vorstand an. Gemeinsames Ziel des Vorstands sei es, das Wohlbefinden der Mitglieder zu stärken, Sicherheit zu vermitteln und einen Beitrag zu leisten, „dass wir alle ohne Angst gemeinsam in Frieden leben können“, so Aviv abschließend.