Der Irankrieg aus jüdischer Sicht
Seitdem Israel und die USA militärisch gegen das iranische Mullah-Regime zu Feld ziehen, wiederholt sich ein altbekanntes Muster in der deutsch-kirchlichen Debatte über Nahost. Israel handelt militärisch – und augenblicklich folgen die vertrauten Reaktionen seitens der Kirche: Warnung vor der Gewaltspirale, Aufruf zur Deeskalation, Empfehlung zur Besonnenheit. Die Worte kommen zuverlässig, beinahe reflexhaft. Sie klingen nach Friedensethik, nach moralischer Verantwortung und kirchlicher Besinnung.
Doch allzu oft verraten sie vor allem eine merkwürdige Distanz zu nahöstlicher Wirklichkeit und eine Weigerung, der Realität eines Konflikts ins Auge zu schauen, in dem Israel sich seit Jahrzehnten gegen ein Regime verteidigen muss, das seine Vernichtung nicht nur propagiert, sondern mit allen verfügbaren Mitteln darauf hinarbeitet.
Sicher: Der Ruf nach Deeskalation und Frieden gehört zum kirchlichen Standardrepertoire. Aber in diesem Fall klingt er nicht nur hohl. Er grenzt an moralische Realitätsverweigerung. Denn wer mit Blick auf die Islamische Republik Iran vor allem die Eskalation beklagt, ohne die jahrzehntelange Eskalation dieses Regimes zu benennen, verwechselt friedensethische Absichten mit ritualisierter Rhetorik. Und wer verdrängt, dass militärische Gewalt nicht schon deshalb zu verurteilen ist, weil sie Gewalt ist, hat nicht verstanden, dass Freiheit und Sicherheit in dieser Welt manchmal nicht nur beschworen, sondern verteidigt werden müssen. Notfalls mit Gewalt.