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25.09.2026

HR schlägt Vermittlung vor: In Streit um arisierte Grundstücke kommt Bewegung

Darmstadt

© Monika Müller / fr.de
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Der Hessische Rundfunk bietet der jüdischen B'nai-B'rith-Loge Gespräche mit einem neutralen Vermittler an, um den Streit um die Entschädigung von arisierten Grundstücken beizulegen.


In den seit mehr als zwei Jahren schwelenden Streit um die Entschädigung für arisierte Grundstücke zwischen der Frankfurter B’nai-B’rith-Loge und dem Hessischen Rundfunk (HR) kommt Bewegung. In einer am frühen Freitagmorgen veröffentlichten Stellungnahme bietet der Sender der Loge die Wiederaufnahme von Gesprächen an und schlägt vor, einen von beiden Seiten akzeptierten neutralen Vermittler hinzuzuziehen.

Logenpräsident Ralph Hofmann berichtete am Freitagmittag im Versammlungsraum der Loge im Frankfurter Westend, ihnen gehe es schlicht „um eine transparente Aufarbeitung und Gerechtigkeit“.

Daniel Neumann, der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen, der Anfang der Woche aus Protest sein Mandat als Mitglied im Aufsichtsrat des HR-Werbetochterunternehmens niedergelegt hatte, sprach von einem „ersten erfreulichen Schritt“.

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt teilte mit, im Kontext der jüngsten Berichterstattung über die ehemaligen Logengrundstücke an der Eschersheimer Straße liege dem HR seit Donnerstag ein „kurzfristig beauftragtes Gutachten“ vor. Dies beziehe sich auf das sogenannte Hübner-Gutachten von 1951, das dem HR erst im Zuge der Recherchen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ bekanntgeworden sei. Eine vom HR beauftragte Kanzlei bewerte das aufgetauchte historische Dokument als „relevant“.

2.000 Quadratmeter fielen unter den Tisch

Der Architekt Hans Hübner hatte im September 1951 drei im Grundbuch eingetragene Grundstücke in der Nähe des Eschenheimer Turms als Sachverständiger auf 160.000 D-Mark geschätzt. Auf der Grundlage dieses Schätzpreises verständigte sich der Hessische Rundfunk 1952 mit der Jewish Restitution Successor Organization über eine Entschädigung für die Grundstücke.

Allerdings waren seinerzeit nicht alle Flurstücke in die Berechnung einbezogen worden. Eine Fläche von rund 2.000 Quadratmetern sei „unter den Tisch gefallen“, sagte Daniel Neumann, der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen, am Freitag. 1953, so berichtete die Historikerin Andrea Schneider-Braunberger, habe der HR die Immobilien in einem Paket mit anderen Immobilien für drei Millionen Mark an die Stadt Frankfurt verkauft. Etwa ein Drittel der Flächen seien einst im Logenbesitz gewesen.

Nazis entzogen der Loge 1937 Grundstücke und Gebäude

Auf einem der Grundstücke stand einst auch das prächtige Versammlungshaus von drei jüdischen Ordenslogen. Während der NS-Zeit waren der Loge B‘nai B‘rith 1937 die Grundstücke und Gebäude entzogen worden. Die Nationalsozialisten übergaben sie dem Reichsrundfunk. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte sich dann die Frage nach Rückgabe oder Entschädigung für geraubtes jüdisches Eigentum.

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt teilte mit, sie fordere vom Hessischen Rundfunk „eine umfassende und lückenlose Aufarbeitung“ der Restitutionsfrage sowie der eigenen Geschichte im Umgang mit jüdischem Eigentum aus der NS-Zeit und der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Hierbei gehe es um die grundsätzliche Frage, wie der HR zu seiner historischen Verantwortung stehe. Der Gemeindevorstand erwartet „vollständige Transparenz und eine akribische Aufarbeitung“.