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25.09.2026

Jüdische Loge fordert Aufarbeitung vom Hessischen Rundfunk

Darmstadt

© Yasemin Kamisli / journal-frankfurt.de
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© Yasemin Kamisli / journal-frankfurt.de
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Der Hessische Rundfunk gerät wegen eines in der NS-Zeit enteigneten jüdischen Grundstücks massiv in die Kritik. Die Loge B’nai B’rith wirft dem Sender vor, die Eigentümer damals viel zu billig entschädigt und sich der Verantwortung entzogen zu haben.


Erst vor wenigen Tagen hat Daniel Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, seinen Posten im Aufsichtsrat der HR-Werbung aufgegeben. Heute steht er vor etlichen Journalisten, und direkt vor ihm wird ein Mikrofon positioniert – ausgerechnet vom Hessischen Rundfunk (HR). „Der HR ist eine ehrbare Institution, die sich eigentlich auf die Fahne geschrieben hat, geschichtliche Verantwortung und Moral vertreten zu können“, sagt Neumann. Doch er müsse erleben, dass das leider nicht stimme.

Streit um jüdisches Grundstück

Der Grund für seine Wut ist ein Streit um NS-Unrecht: Die Loge B’nai B’rith wirft dem Hessischen Rundfunk vor, ein jüdisches Grundstück an der Eschersheimer Landstraße nach dem Zweiten Weltkrieg behalten und viel zu billig entschädigt zu haben, statt es den Verfolgten des Nationalsozialismus zurückzugeben. „Die jüdischen Grundstücke dieses Logenkomplexes hatten einen Wert von etwa einer Million Mark“, sagt Neumann. Das Geld, das die Opfer damals als Entschädigung bekamen, sei winzig klein gewesen, während sich der Betrag für den HR im selben Zeitraum „auf wundersame Weise verdreifacht“ habe.

Zu berücksichtigen sind laut Neumann vor allem die handelnden Personen zu diesem Zeitpunkt: „Es waren Menschen, die entweder selbst aus dem Nazi-Komplex stammten oder nah dran waren und die natürlich ein Interesse daran hatten, ein gutes Geschäft zu machen.“

Loge ging schon 2024 auf HR zu

Auch Ralph Hofmann, Vorsitzender der Loge, betont mehrfach, dass es nie die Absicht war, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen. Schon 2024 seien sie in den Dialog mit dem Hessischen Rundfunk gegangen, doch lange sei seitens des Medienhauses nichts gekommen. „Erst nachdem Herr Bartsch vom Spiegel-Magazin offiziell anfragte, wurde darauf reagiert“, so Hofmann. Mit der veröffentlichten Spiegel-Recherche steht das enteignete Grundstück dementsprechend im Fokus der Öffentlichkeit.

Hessischer Rundfunk äußert sich zu den Vorwürfen

Zu den Vorwürfen hatte der HR gestern Abend erneut eine Pressemitteilung veröffentlicht. Darin schlägt der Sender Gespräche mit Hilfe eines neutralen Vermittlers vor. Ein neu aufgetauchtes historisches Dokument aus dem Jahr 1951 werfe die Frage auf, ob bei der damaligen Entschädigung möglicherweise „unwissentlich ein Flurstück […] unberücksichtigt geblieben sein könnte“. Zwar habe man die Forderungen der Loge bisher mangels rechtlicher Begründung zurückgewiesen, bedauere das Fehlen der alten Unterlagen aber nun.

Von einer Kontaktaufnahme ist bei den Betroffenen davon allerdings bisher offenbar nichts angekommen. Auf der heutigen Pressekonferenz konterte Ralph Hofmann scharf: Bis jetzt habe sich niemand vom HR bei ihm gemeldet.