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08.10.2026

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Wie feiern, ohne zu verdrängen?

Gießen

© Copernicus Sentinel data 2023 (CC BY 2.0)
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© Copernicus Sentinel data 2023 (CC BY 2.0)
© Copernicus Sentinel data 2023 (CC BY 2.0)

Die Jüdische Gemeinde Gießen erinnert an das Hamas-Pogrom vom 7. Oktober 2023. Ihr Vorsitzender Dow Aviv schildert, warum das Fest Simchat Tora für viele Juden weltweit nie mehr dasselbe sein wird.


Bei allen berechtigten Protesten gegen einen in der Geschichte des Nahen Ostens beispiellosen Krieg Israels gegen die islamistische Terrororganisation Hamas und deren Verbündete im Libanon, in Syrien oder im Iran gerät zunehmend in Vergessenheit, dass es ein Pogrom von Hamas-Anhängern war, der diesen Krieg ausgelöst hat. Am 7. Oktober 2023 wurden mehr als 1200 israelische Bürger grausam ermordet und 250 in den Gazastreifen verschleppt. Daran erinnert nun der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gießen, Dow Aviv, in einer Stellungnahme:

„Am 3. Oktober 2026 war in Israel der dritte hebräische Jahrestag (nach dem jüdischen Kalender) des 7. Oktober 2023, der damals auf das Fest Simchat Tora fiel. Der Gedenktag selbst wurde in diesem Jahr am Montag, 5. Oktober, staatlich begangen, weil der Jahrestag auf einen Schabbat fällt. Normalerweise ist Simchat Tora ein Fest der Freude über die Tora – mit Gesang und Tanz mit den Tora-Rollen. Drei Jahre nach dem Angriff der Hamas auf Israel ist dieser Tag für viele Israelis und Juden weltweit aber untrennbar mit dem 7. Oktober verbunden. In Gemeinden wird deshalb überlegt, wie Freude, Trauer und Erinnerung gleichzeitig Raum bekommen können. Familien der Opfer versammeln sich auf Friedhöfen und an Gedenkorten. Es gibt Gebete, Kaddisch, persönliche Zeugnisse und Veranstaltungen, bei denen an einzelne Menschen erinnert wird.

Für den dritten Jahrestag sind landesweit und in vielen jüdischen Gemeinden Veranstaltungen geplant, zudem Zeugnisse von Überlebenden und ehemaligen Geiseln, Demonstrationen und weitere Aktionen. Das Gedenken richtet sich nicht nur auf die Toten. Die Geschichten der Entführten und derjenigen, die aus der Geiselhaft zurückgekehrt sind, gehören weiterhin zum öffentlichen Erinnern. Kibbuzim wie Be’eri und Nir Oz sowie der Ort des Nova-Festivals sind inzwischen in Israel zentrale Orte des Gedenkens. Familien und Überlebende versuchen dort, die individuellen Geschichten der Opfer zu bewahren.

Für den 7. Oktober und den Beginn des Krieges wurde in Israel ein nationaler Gedenktag gesetzlich verankert; außerdem sind eine staatliche Behörde, ein Museum und eine Gedenkstätte im westlichen Negev vorgesehen. Gleichzeitig gibt es in Israel eine öffentliche Diskussion darüber, wie dieser Tag historisch benannt und erinnert werden soll. Am 7. Oktober 2023 wurde an Simchat Tora getanzt und gesungen – und wenige Stunden später wurden Israelis ermordet, verschleppt und ganze Gemeinden zerstört. Drei Jahre später steht deshalb für viele Juden die Frage im Raum: Wie kann man an Simchat Tora wieder die Tora feiern, ohne den 7. Oktober zu verdrängen? Eine endgültige Antwort auf diese Frage wurde noch nicht gefunden.“