News

12.05.2026

Stolpersteine erinnern an die ermordete Familie Löwenberg

LVJGH

Mit der Verlegung von vier Stolpersteinen hat die Gesamtschule Schenklengsfeld am Donnerstag der jüdischen Familie Löwenberg gedacht.


Mit der Verlegung von vier Stolpersteinen vor deren letztem frei gewählten Wohnsitz an der St.-Georg-Straße haben Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Schenklengsfeld am Donnerstag der jüdischen Familie Löwenberg gedacht.

Die Messingplatten auf der Oberseite der Quader sind mit den Namen und Lebensdaten des Getreidehändlers Bernhard Löwenberg, seiner Frau Emma, geborene Plaut, und ihrer beiden Kinder Gerhard und Bertha versehen. Die Stolpersteine gelten als größtes dezentrales Mahnmal der Welt und sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, der – ebenfalls auf Initiative der Gesamtschule – im Jahr 2024 auch die ersten elf Exemplare in Schenklengsfeld verlegt hatte.

„Wenn wir heute an die Familie Löwenberg erinnern, dann tun wir das nicht nur mit Blick auf die Vergangenheit. Wir tun es auch mit Blick auf die Gegenwart. Jüdisches Leben in Deutschland ist wieder bedroht. Viele Jüdinnen und Juden fühlen sich unsicher, manche haben Angst, sich offen zu zeigen“, betonte Schulleiter Karsten Vollmar in seiner Begrüßungsansprache. Verantwortung sei dabei insbesondere auch ein Auftrag an junge Menschen: „Ihr seid die Generation, die unsere Demokratie weitertragen wird. Ihr entscheidet, wie wir miteinander leben, wie wir Vielfalt schützen, wie wir Menschenrechte verteidigen. Verantwortung bedeutet nicht, Schuld für die Vergangenheit zu tragen. Verantwortung bedeutet, aus der Vergangenheit zu lernen“, wandte sich Vollmar an die Schülerinnen und Schüler.

„Nie wieder ist jetzt“, unterstrich auch Schenklengsfelds Bürgermeister Andre Wenzel. Für den ehemaligen Gemeindepfarrer Dietmar Preiß als Vertreter des Förderkreises Jüdisches Lehrerhaus sind Stolpersteine ein Denkmal im guten Sinne des Wortes: „Mensch, denk mal.“

Daniel Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen, wandte sich mit eindringlichen Worten an die Jugendlichen: „Was mit den Juden beginnt, endet nicht mit den Juden. Hass frisst sich in die Gesellschaft und zerstört sie von innen.“ Angesichts des Wiedererstarkens von Antisemitismus, Hass, Ausgrenzung und radikalen politischen Tendenzen appellierte Neumann: „Ihr seid die Generation, auf die es ankommt und über deren Zukunft wir verhandeln.“

Bevor sie die Stolpersteine ins Pflaster des Bürgersteigs setzten, zeichneten Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen die Biografien der Familie Löwenberg nach: Bernhard Löwenberg, Jahrgang 1880, wurde erstmals 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. 1939 verließ die Familie Schenklengsfeld zunächst nach Fulda und dann nach Frankfurt, von wo aus Bernhard Löwenberg und seine Frau Emma, Jahrgang 1888, im Jahr 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet wurden. Ihren Kindern Bertha, Jahrgang 1910, und Gerhard, Jahrgang 1912, gelang die Flucht nach Palästina, wo sich Gerhard Löwenbergs Spur allerdings verliert.

Musikalisch begleitet wurde die Stolpersteinverlegung vom Schulchor sowie von Martin Rischer (Gitarre) und Stefan Ragotzky (Violine). Nach der Gedenkfeier berichtete Daniel Neumann in einem Vortrag in der ehemaligen katholischen Kirche aus eigenem Erleben über heutiges jüdisches Leben in Deutschland.

(Quelle: hersfelder-zeitung.de)