Hüter des Friedens im Polizeipräsidium: Claudia Meyer und Stefan Rink nehmen am hessenweiten Projekt „Shomer Shalom“ teil
Zum einen wurden mit Polizeioberkommissarin Claudia Meyer und Kriminalhauptkommissar Stefan Rink zwei zukünftige Trainer im Netzwerk zur Antisemitismusprävention in der Polizei vorgestellt. Sie sind Bestandteil des bundesweiten Pilotprojekts „Shomer Shalom“, auf Deutsch „Hüter des Friedens“. Daneben wird jetzt in den Räumen des imposanten Gebäudes im Schiffenberger Tal die Wanderausstellung „Ja, DAS ist Antisemitismus!“ gezeigt.
Die Ausstellung ist in der ehemaligen Kantine des Präsidiums zu sehen, die immer noch ein „Ort des Gesprächs“ sei, wie Krückemeier ausführte. Und somit bestens zu den beiden Aktionen passe, ergänzt Dr. Susanne Urban, Leiterin des RIAS Hessen (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus) in Marburg. Die Präsentation erfahre in der Ferniestraße in Gießen schon ihre 18. Station in Hessen. Vor Ort an der Lahn war sie seit 2024 bereits im Rathaus und in der Universitätsbibliothek zu sehen. Auf ihren Schautafeln wird dokumentiert, was die Kernaufgabe von RIAS ist: Als Landeszentralstelle antisemitische Vorfälle zu sammeln, auch solche, die unter der Schwelle der Strafbarkeit geschehen.
Antisemitische Vorfälle nehmen zu
Die Ausstellung arbeitet mit wenig Text, präsentiert aber authentische Fälle in grafischer Gestalt und in verfremdeter Form. Bei ihrer Arbeit hat die Leiterin von RIAS Hessen festgestellt, dass antisemitische Vorfälle zunehmen. „Antisemitismus ist in allen gesellschaftlichen Milieus zu Hause“, mahnte Urban im Beisein von Vertretern der jüdischen Gemeinden in Gießen, Bad Nauheim und Marburg. Antisemitismus sei Alltag in Hessen, nicht erst seit dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel. Aber erst recht nach diesem Datum. „Antisemitismus ist ein ernstes Warnsignal, wenn die Demokratie in der Gesellschaft erodiert“, gab die Wissenschaftlerin ihrem Auditorium, überwiegend aus Polizeikräften bestehend, mit auf den Weg.
Dem entgegenwirken werden in Zukunft auch Claudia Meyer und Stefan Rink. Die Polizeioberkommissarin und der Kriminalhauptkommissar sind die ersten Kräfte des heimischen Polizeipräsidiums, die im Rahmen des Projekts „Shomer Shalom“ ausgebildet werden. Sie haben das erste von vier theoretischen Modulen im Rahmen der zweijährigen Fortbildung bereits hinter sich. Daran schließt noch ein praktischer Teil an. Das Ziel dieser Ausbildung sei, ein Netzwerk zu schaffen zwischen der Polizei und dem jüdischen Alltag, erläuterte Oliver Dainow vom Landesverband der jüdischen Gemeinden Hessen. Er zeichnet zusammen mit Helge Eikelmann, dem Geschäftsführer der Agentur „Agenten der gepflegten Debatte“, für die Ausbildung der Trainer verantwortlich. 20 sind es hessenweit, die sich in dieser Ausbildung befinden.
Schon lange ein Thema für die Polizei
Antisemitismus sei schon lange ein Thema für die Polizei, sagte Dainow. Und der Kontakt zu den Gemeinden sei da „erzwungenermaßen“, wie er betonte. Daraus soll besagtes Netzwerk in die Gesellschaft wachsen. Helge Eikelmann merkte an, dass es das erste Projekt sei, „das wir gegen etwas machen“. Oliver Dainow ergänzte, dass dieses Wirken nicht nur nach außen gerichtet sei, sondern auch nach innen. Denn der Antisemitismus zeige immer neue Formen und Chiffren, gegenüber denen auch die Polizei in der täglichen Arbeit und in ihren Argumenten gewappnet sein müsse.
Claudia Meyer koordiniert bei der mittelhessischen Polizei nicht nur Seminare im interkulturellen Bereich. Sie ist auch über den Dienst hinaus in diesen Feldern unterwegs, wie ihr Präsident schon eingangs festgestellt hatte. „Ich war auch schon für längere Zeit in Israel“, blickte die Polizeioberkommissarin im Gespräch zurück. So sei sie froh, nun etwas zu diesem Thema tun zu können. Nach der aktuellen Ausbildung sei es ihre Aufgabe, die Kollegenschaft des Polizeipräsidiums über den Antisemitismus und den Kampf dagegen zu schulen. „Quasi jeden Bediensteten der Polizei“, wie Meyer bestätigte.
Neben ihr im Einsatz ist Stefan Rink, der einen anderen Zugang zu der Thematik hat. Seit 1992 Kriminalbeamter, arbeitet er inzwischen hauptberuflich als Trainer für Führungskräfte des PP Mittelhessen und ist daneben noch als Dozent an der Hochschule für Polizei und Verwaltung in Hessen tätig. Er habe sich durch sein Interesse für Geschichte der neuen Aufgabe angenähert. Aber vor allem wisse er, wie wichtig Demokratie sei. So will er den jungen Leuten seiner Behörde ein fundiertes Wissen mit an die Hand geben, damit diese in ihrem Einsatz vor Ort entsprechende Gespräche führen könnten. „Es ist wichtig, diskutieren zu können und zu dürfen“, betont er noch einmal den Demokratieansatz, gerade im Kampf gegen den Antisemitismus.
Das passt zu den Ausführungen seines Polizeipräsidenten. Torsten Krückemeier hatte bei seinen Eingangssätzen die besondere Verantwortung der Polizei betont, den Antisemitismus zu erkennen und ihm gegenüberzutreten. Wie in der deutschen Übersetzung des Programms „Shomer Shalom“: als Hüter des Friedens.